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Ernährungsbericht 2008

November 6th, 2010 | Posted by Martin in Allgemein
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Ernährungssituation in Deutschland (DGE)

Nach wie vor aktuell und von Interesse für Wissenschaft und Praxis bleibt die Frage „Was essen die Deutschen?. Wie hat sich das Essverhalten bzw. das Ernährungsmuster auf der Lebensmittel- und Nährstoffebene verändert?

Anknüpfend an den Überblick zum Ernährungsbericht 2008 der Dezemberausgabe gewinnen Sie im Folgenden Einblicke in die einzelnen Kapitel des Berichts, beginnend mit Kapitel 1 „Ernährungssituation in Deutschland“. Im Fokus: die traditionelle Fortschreibung der Entwicklung des Lebensmittelverbrauchs in Deutschland auf der Basis der Agrarstatistik , die Beschreibung der Ernährungssituation bei Kindern und Jugendlichen, deren Jodversorgung sowie die Verbreitung von Übergewicht in der Bevölkerung.

Lebensmittelverbrauch

Agrarstatistik: Die Agrarstatistik liefert zuverlässig relativ aktuelle und im Zeitverlauf vergleichbare Daten. Hinsichtlich der Interpretation der Daten ist zu beachten, dass zumeist die auf der Produktions- und Großhandelsstufe erfassten, gesamtwirtschaftlich für den Verbrauch in Deutschland verfügbaren Lebensmittelmengen pro Kopf der Bevölkerung (Lebensmittelverbrauch) ausgewiesen werden, nicht die tatsächlichen Verzehrsmengen. Wesentlich sind die Veränderungen, die sich jährlich ergeben und auf Trends im Lebensmittelverbrauch in Deutschland schließen lassen.

Die Daten der Agrarstatistik liefern wichtige Informationen über Entwicklungen des Lebensmittelverbrauchs und die damit verbundenen Veränderungen der Nährstoffzufuhr und somit der Ernährungssituation in Deutschland.

Es wird vermutet, dass die langfristig zu beobachtende Abnahme des Getreide- und Kartoffelverbrauchs zu einer deutlichen Reduzierung der Zufuhr von Polysacchariden und Ballaststoffen geführt hat. Seit 2001 hat das ständig ausgeweitete Angebot an Ready-to-eat-Getreideprodukten einschließlich belegter Brote bzw. Brötchen in allen Variationen wieder zu einem deutlichen Anstieg des Getreideverbrauchs geführt. Es wird angenommen, dass der seit Mitte der 1990er Jahre zu beobachtende Anstieg des Verbrauchs von frittierten Kartoffelerzeugnissen auch in Deutschland die Zufuhr ernährungsphysiologisch unerwünschter Fettsäuren begünstigt haben dürfte. Eine weitere ernährungsphysiologisch eher ungünstige Entwicklung stellt die ansteigende Zufuhr von Mono- und Disacchariden – auch in Form von Gummibonbons bzw. Gelee-Erzeugnissen sowie von alkoholfreien Erfrischungsgetränken – dar.

Der Obst- und Gemüseverbrauch ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen und hat sicherlich zu einer verbesserten Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie mit sekundären Pflanzenstoffen geführt. Mit Blick auf die Trendanalyse, die eine Verlangsamung des Anstiegs zeigt, werden zukünftig weitere Anstrengungen als erforderlich angesehen, um die Ziele der 5-am-Tag- Kampagne zu erreichen.

Der Verbrauch von Frischmilch nimmt seit Jahrzehnten ab. Dies ist in Bezug auf die Versorgung mit Riboflavin und Calcium negativ zu bewerten. Durch den gestiegenen Verbrauch von Milchprodukten und Käse wird dies wahrscheinlich weitgehend kompensiert.

Der Fleischverbrauch ist immer noch hoch und dürfte wesentlich mit zu einer guten Versorgung mit zahlreichen Vitaminen, z. B. Vitamin A, Vitamin B1, Vitamin B12, und gut bioverfügbaren Spurenelementen, z. B. Eisen, Zink, beitragen. Die mit hohem Fleischverbrauch einhergehende höhere Zufuhr von unerwünschten Nahrungsbegleitstoffen, z. B. gesättigten Fettsäuren, Cholesterol, Purinen, ist weniger positiv zu bewerten. Zudem kann ein hoher Fleischverzehr je nach Zubereitungsform, z. B. Panade, fettreiche Soßen, mit einer deutlich erhöhten Fettzufuhr assoziiert sein.

Die Reduktion des Verbrauchs tierischer Fette ist positiv zu bewerten. Allerdings sinkt auch der Verbrauch pflanzlicher Öle, und zwar stärker als der Verbrauch tierischer Fette. Damit nimmt der Fettkonsum insgesamt ab. Dies ist positiv zu bewerten, allerdings wird dadurch vermutlich das Fettsäurenmuster ungünstig beeinflusst.

Hinsichtlich des Getränkeverbrauchs sind die starke Zunahme des Mineralwasserverbrauchs sowie die Abnahme des Bierkonsums positiv zu bewerten. Es wird darauf hingewiesen, dass die gleichzeitige Zunahme des Konsums energiereicher Erfrischungsgetränke in Zukunft im Rahmen der Ernährungsberatung und -aufklärung eine größere Beachtung beigemessen werden sollte. Der Konsum sollte unter präventiven Aspekten insbesondere bei Kindern und Jugendlichen reduziert werden.

Ernährungsverhalten in Deutschland

NVS II „Was esse ich“: Ziel der Nationalen Verzehrsstudie II war es, aktuelle, repräsentative Daten zum Lebensmittelverzehr, zur Nährstoffaufnahme und zum Ernährungsverhalten zu gewinnen. Im Laufe der einjährigen Feldarbeit wurden bundesweit von fast 20 000 deutschsprachigen Personen im Alter von 14–80 Jahren das Ernährungs- und Gesundheitsverhalten, anthropometrische Messdaten sowie soziodemografische Merkmale erfasst. Weitere Informationen unter: www.was-esse-ich.de.

Zahlen, Daten Fakten der NVS II

Diätverhalten: Insgesamt etwa 12 % der 14- bis 80-Jährigen halten eine Diät ein, darunter 60 % Frauen und 40 % Männer. Doppelt so häufig wie gleichaltrige Männer führen Frauen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren eine Diät durch. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern steigt der Anteil von Personen, die eine Diät einhalten, mit zunehmendem Alter an. Der Wunsch nach Gewichtsreduktion bildet sowohl für Frauen als auch für Männer den häufigsten Grund für die Einhaltung einer Diät. Als zweithäufigster Diätgrund in der Gesamtbevölkerung erwies sich Diabetes mellitus. Der Ernährungsbericht stellt fest, dass die Gründe für das Einhalten einer Diät altersabhängig sind. Die zunehmend häufigeren Stoffwechselkrankheiten im höheren Alter führen zu einer Häufung von Diäten.

Ernährungsweisen: Es wird berichtet, dass 4,9 % der Frauen und 2,9 % der Männer im Rahmen der NVS II angaben, eine besondere Ernährungsweise durchzuführen. Am häufigsten praktizierten bei beiden Geschlechtern die 14- bis 24-Jährigen alternative Ernährungsweisen. 1,6 % der Bevölkerung ernährt sich vegetarisch, 0,6 % halten islamische Speisevorschriften ein und weitere 0,6 % richten sich nach der Vollwerternährung.

Ernährungswissen: Der Ernährungsbericht stellt fest, dass das Wissen über besondere Lebensmittel wie probiotische Joghurts und ACE-Getränke bei Frauen über alle Altersgruppen hinweg immer ausgeprägter war als bei Männern. Hinsichtlich der Kenntnisse zu überregionalen Qualitäts- und Gütesiegeln stellten sich das CMA-Gütezeichen, das Bio-Siegel und das Bioland-Siegel als die bekanntesten heraus. Dabei erwies sich der Bekanntheitsgrad aller drei Siegel bei Frauen bekannter als bei Männern. Zum persönlichen Energiebedarf können mehr als die Hälfte der Erwachsenen im Alter von 19–80 Jahren keine Angaben machen. Am häufigsten zeigten sich die jüngsten und ältesten Frauen und Männer dieser Altersgruppe als unwissend. Lediglich 8 % der Teilnehmer der NVS II gelang es, ihren persönlichen Energiebedarf korrekt einzuschätzen.

Kochkompetenz: 94 % der Frauen gaben an, sehr gut oder gut bzw. durchschnittlich zu kochen, bei den Männern waren es 61 %. Das Kochen von der Mutter gelernt zu haben, räumten Dreiviertel der Frauen (74 %) und die Hälfte der Männer (47 %) ein.

Österreichischer Ernährungsbericht (BMG)

Ernährungsdaten im Laufe der Zeit regelmäßig zu erheben ist notwendig, um weitere Schritte zur Verbesserung der Ernährung der ÖsterreicherInnen verlässlich zu planen. Der Österreichische Ernährungsbericht 2008 bietet einen Vergleich des Wandels des Essverhaltens der heimischen Bevölkerung in den letzten fünf Jahren. Fazit: Das Ernährungsverhalten in Österreich ist weiterhin verbesserungswürdig.  

Bei den Erwachsenen gelten 42 Prozent als übergewichtig. Elf Prozent sind gar krankhaft übergewichtig (adipös). Männer und Über-40-Jährige sind stärker betroffen. Von den Über-65-Jährigen sind 40 Prozent übergewichtig, die Häufigkeit nimmt ab 65 Jahren ab. Bei den Kindern und Jugendlichen liegen 19 Prozent der 6 bis 15-Jährigen über den Referenzwerten, sechs Prozent sind adipös. Der Osten ist gewichtiger als der Westen. Die Zunahme an Übergewichtigen im Vergleich zu 2003 ist evident, obwohl nicht mehr Kalorien zugeführt werden. Die Zunahme liegt eher am verminderten Energieverbrauch durch wenig(er) Aktivität.

Zu fett, zu salzig: Die konsumierte Fettmenge ist bei Kindern gerade noch akzeptabel, bei allen anderen aber zu hoch. Auch wird nicht nur zuviel, sondern auch dasfalscheFett gegessen. Der festgestellte Rückwärtstrend bei den gesättigten Fettsäuren ist erfreulich, der Konsum ist aber immer noch zu hoch. Verantwortlich dafür sind v.a. zuviele Fleisch- und Wurstwaren. 

Die Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist ausreichend, liegt  jedoch unterhalb der zur Prävention von Gefäßkrankheiten vorgeschlagenen Menge. In allen Altersgruppen ist die Natriumzufuhr klar zu hoch. “Schuldist Salz - vor allem dasunsichtbare  in vielen Fertigprodukten und -speisen.   

Cholesterin-Problem bei Männern und Senioren: Bei den Senioren zeigt sich eine zu hohe Zufuhr von Nahrungscholesterin. Bei jüngeren Erwachsenen gilt dies hingegen nur für Männer. Frauen liegen knapp unter dem Grenzwert von 300 mg/Tag.

Zu süßeKinder: Kohlenhydrate liefern im Durchschnitt in keiner Altersgruppe die empfohlenen 55 Prozent der Energie.  Nur Kinder bis 15 Jahre liegen über 50 Prozent.  Ein zu hoher Anteil davon stammt in dieser Gruppe aber aus Zucker.

Trinkwasser im Trend: Die Zufuhr an Protein ist in allen Altersgruppen ausreichend. Erstmals wurde auch das Trinkverhalten der Erwachsenen untersucht. Erfreulicherweise wird die empfohlene Flüssigkeitszufuhr sogar überschritten, das am meisten konsumierte und beliebteste Getränk ist Trinkwasser. Energieliefernde Getränke spielen eine geringere Rolle. Die Alkoholzufuhr liegt im Durchschnitt im Rahmen der tolerierbaren Mengen, bringt aber unnötige - leere - Kalorien. Bei Übergewichtigen ist die Zufuhr an alkoholischen Getränken höher als bei Normalgewichtigen.  

Eine Verschlechterung gibt es bei einigen Mikronährstoffen, also Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen. Dringenden Handlungsbedarf gibt es bei Folsäure, Calcium und Vitamin D. Die Jodzufuhr hat sich allerdings in allen Altersgruppen verbessert. Günstig ist der steigende Verbrauch von Pflanzenölen, die essentielle Fettsäuren und fettlösliche Vitamine liefern.

Nahrungsergänzungsmittel: 39% der Befragten geben einen regelmäßigen Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln (Vitaminpillen)  an.  Bei dieser Gruppe wurden allein über Nahrungsergänzungsmittel bereits bei einigen Nährstoffen 100 Prozent der täglich empfohlenen Zufuhr erreicht. Zuviel und unnötig, aber nicht gefährlich. Die tolerierbare Höchstmenge wurde in keinem Fall erreicht.

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